Komplexe Baumaßnahmen Transportkanal Puschkinstraße
Der Erfurter Entwässerungsbetrieb hat es sich zur Aufgabe gemacht, sein Abwasserbeseitigungskonzept bis 2035 weitestgehend umzusetzen. Dazu zählt nicht nur die Erschließung aller Ortsteile und deren Anbindung an das bestehende Kanalnetz. Vor allem heißt es auch, das vorhandene Kanalnetz zu warten, instand zu setzen und auszubauen.
Das Vorhaben „Transportkanal Puschkinstraße“ setzt genau dort an. Der neue Transportkanal hat die Aufgabe, Drosselabflüsse des bestehenden Regenrückhaltebeckens Löberwallgraben, des Beckens Müfflingstraße und des geplanten Beckens in der Puschkinstraße abzukoppeln und direkt in den Hauptsammler (HS 16) in Richtung Kläranlage abzuleiten. Das Becken Puschkinstraße soll funktional als Stauraumkanal DN 1800 in den Transportkanal zwischen Puschkinstraße, Löberwallgraben und Spielbergtor integriert werden. Mit Fertigstellung des Bauvorhabens sollen perspektivisch mehrere Regenüberläufe in die Gera abgelöst und damit die Schmutzfrachtbelastung der Gera gesenkt werden. Weiterhin wird die hydraulische Belastung der Kläranlage Erfurt Kühnhausen reduziert.
Das Bauvorhaben ist Teil des Plans zur Sanierung des Erfurter Mischwasserkanalnetzes und trägt zur Anpassung der Abwasserinfrastruktur an gesetzliche Anforderungen sowie an veränderte klimatische Bedingungen bei.
Der Erfurter Entwässerungsbetrieb hat den ersten Bauabschnitt des komplexen Projekts „Transportkanal Puschkinstraße“ (Schmidtstedter Knoten bis Stauffenbergallee/Ecke Trommsdorffstraße) Ende 2025 abgeschlossen. Die Baukosten für diesen Abschnitt belaufen sich auf rund 3,4 Millionen Euro.
Aufgrund der ungünstigen Lage im Innenstadtbereich – es sind Parkanlagen, Hauptverkehrsstraßen, Brücken, Gleisanlagen der Straßenbahn sowie mehrere Medientrassen zu queren – hat sich der Erfurter Entwässerungsbetrieb für eine vorwiegend geschlossene Bauweise entschieden. Aus diesem Grund kommt ein unterirdisches Rohrvortriebsverfahren, das sogenannte Microtunneling mit Spülförderung, zur Anwendung.
Mit dem Microtunneling können Kanäle nahezu grabenlos und ferngesteuert verlegt werden. Benötigt werden lediglich eine Start- und Zielgrube. Vom Startschacht aus wird mithilfe eines Vortriebgerätes, das mit einem Bohrkopf und Presstechnik ausgestattet ist, ein neues Kanalrohr bis zur Zielgrube vorgetrieben. Dazu werden einzelne Rohre nach und nach in den Startschacht herabgelassen und nacheinander hinter dem Vortriebsgerät installiert und in Richtung Zielgrube geschoben. Um dafür Platz zu schaffen, wird der überschüssige Boden über ein Beförderungssystem am Bohrkopf direkt in einen Container im Baustellenbereich gepumpt. Die Steuerung der Geräte erfolgt manuell über einen speziell ausgestatteten Steuerungscontainer.
Das unterirdische Rohrvortriebsverfahren wurde gewählt, weil seine Auswirkungen auf Umwelt, Wirtschaft, Verkehr und Mensch wesentlich geringer sind, als bei einer offenen Bauweise.
Trotz der umweltschonenden Bauart wird vor- und während der Bauausführung eine dendrologische Bauüberwachung hinzugezogen, um die vorhanden Bäume im Bereich der geplanten Baugruben zu schützen.
Die Gesamtmaßnahme wird in mehreren Bauabschnitten realisiert. Folgender Bauablauf ist geplant (Stand Februar 2026):
1. Bauabschnitt
Der Bau des Transportkanals (DN 800) zwischen Spielbergtor und Stauffenbergallee wurde 2025 abgeschlossen.
2.1. Bauabschnitt
Bau des Transportkanals (DN 1800) zwischen Spielbergtor und Löberwallgraben (östlich der Löberstraße)
Im Herbst 2026 beginnen die Arbeiten im Bauabschnitt 2.1. Zwischen der Startbaugrube am Spielbergtor und der Zielbaugrube im Löberwallgraben wird der neue Kanal auf einer Länge von ca. 700 Metern unterirdisch im Rohrvortriebsverfahren hergestellt. Die Vortriebsarbeiten sollen Ende 2026 abgeschlossen werden. Der Rückbau der Baugruben und die Oberflächenwiederherstellung erfolgen im Frühjahr 2027.
Aufgrund der Startbaugrube am Spielbergtor ist die Abbiegespur Richtung Clara-Zetkin-Straße sowie der rechte Fahrstreifen Richtung Weimarische Straße gesperrt.
Wegen der Zielbaugrube im Löberwallgraben ist der Bereich zwischen der Richard-Eiling-Straße und Löberstraße voll gesperrt. Fußgänger, Rettungsdienste und die Müllabfuhr können die Baustelle passieren. Auch die Anfahrt der Tiefgaragen ist gewährleistet.
2.2. Bauabschnitt
Bau des Transportkanals (DN 1600) zwischen östlichem Löberwallgraben und Puschkinstraße
3. Bauabschnitt
Umbau des Trennbauwerkes vor dem Regenrückhaltebecken in der Löberstraße, Errichtung eines Schieberschachtbauwerkes und einer neuen Drosselleitung (DN 300), Bau eines Drosselbauwerks im Spielbergtor
4. Bauabschnitt
Bau eines Drosselbauwerks und eines Trennbauwerkes mit Entlastungskanal DN 1200 zum Gera-Flutgraben im östlichen Löberwallgraben, grundhafter Ausbau des östlichen Löberwallgrabens
5. Bauabschnitt
Einbau von Revisionsschächten entlang der Vortriebstrasse
6. Bauabschnitt
Offener Kanalbau DN 1600 in der Puschkinstraße
Lageplan Bauvorhaben Transportkanal Puschkinstraße-Stauffenbergallee
Herausgeber: Stadtverwaltung Erfurt
Der Plan zeigt die einzelnen Abschnitte in denen der Transportkanal gebaut wird.
Jede Bauphase wird ihre eigenen Anforderungen stellen und veränderte Verkehrsführungen, Wegfall von Parkmöglichkeiten sowie Lärm- und Staubbelästigung mit sich bringen. Alle beteiligten Akteure bitten die Verkehrsteilnehmer und Anwohner um Verständnis und Geduld während der Bauzeit. Sie sind sich der schwierigen Situation bewusst und bemühen sich natürlich, die unvermeidbaren Beeinträchtigungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren.
Rückfragen beantworten die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Tiefbau- und Verkehrsamtes.
Bauleiter: Jörn Dittmann, Tel. 0361 655-3188
Bauvorbereitung: Frau Greßler, Tel. 0361 655-3167