Premiere in Erfurt: Namenstaufe für Tunnelbohrmaschine
Bohrungen für neuen Transportkanal starten kommende Woche
Die Taufe fand am heutigen Freitag an der Startgrube am Spielbergtor südlich des Schmidtstedter Knotens statt. Sophie Behrendt vom Erfurter Entwässerungsbetrieb übernahm die Rolle der Taufpatin. Dass eine Frau die Maschine tauft, entspricht der Bergmannstradition – ebenso wie die Tatsache, dass die Maschine einen weiblichen Namen trägt. Der Name TuBia verbindet die Abkürzung für Tunnelbohrmaschine mit Bia, der Göttin der Kraft aus der griechischen Mythologie. Auch eine kleine Statue der Heiligen Barbara als Schutzpatronin der Bergleute hat ihren traditionellen Platz am Bohrloch.
Nach der Begrüßung durch Alexander Reintjes, Amtsleiter des Tiefbau- und Verkehrsamtes (TVA), und einem Grußwort von Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn sprachen die Projektverantwortlichen über die Maßnahme. Eine Blaskapelle begleitete die Zeremonie. Ein riesiger Baukran und ausgelegte Kanalrohre mit einem Durchmesser von rund 1,80 Metern machten die Dimensionen des Bauvorhabens sichtbar.
Der neue Transportkanal soll die Abwasserinfrastruktur in der Löbervorstadt verbessern. Durch die Umlenkung von Abwasserströmen zum Hauptsammler in der Stauffenbergallee sowie die Integration eines Entlastungsbauwerkes können bestehende Regenüberläufe in die Gera abgelöst und damit die Schmutzfrachtbelastung reduziert werden. Die unterirdische Bauweise trägt dazu bei, Einschränkungen für den Straßenverkehr und den öffentlichen Nahverkehr möglichst gering zu halten.
„Der Name ist treffen ausgewählt“, sagt Oberbürgermeister Andreas Horn. „Mit viel Kraft und Ausdauer wird sich TuBia den Weg durch den Erfurter Untergrund bahnen und damit einen wichtigen Beitrag für eine zukunftssichere Abwasserinfrastruktur leisten.“
„Mit dem zweiten Bauabschnitt gehen wir ein anspruchsvolles Stück unterirdischen Kanalbaus an“, sagt Martin Höfer, Leiter des Erfurter Entwässerungsbetriebs. „Unsere Tunnelbohrmaschine Tubia wird sich auf rund 700 Metern vom Spielbergtor bis zum Löberwallgraben vorarbeiten. Das ermöglicht uns, den neuen Kanal zu bauen und gleichzeitig die Auswirkungen auf die Oberfläche möglichst gering zu halten. Hinter dem Projekt stehen eine sorgfältige Planung und die Arbeit vieler Beteiligter, denen ich für ihren Einsatz sehr herzlich danke.“
Bereits vor Weihnachten soll TuBia am Löberwallgraben wieder aus der Erde gehoben werden. Dafür wird die Maschine rund um die Uhr vorangetrieben. „Wir haben im Vorfeld alles getan und werden auch während der Baumaßnahme alles tun, um die Lärmbelastung für Anlieger so gering wie möglich zu halten“, so Höfer. „TuBia muss durchgehend betrieben werden. Hat die Maschine längere Stillstandzeiten, bekommen wir sie nicht mehr in Bewegung gesetzt.“
Der erste Bauabschnitt zwischen Nord- und Südknoten der Schmidtstedter Brücke wurde bereits im vergangenen Jahr realisiert. Die Bohrarbeiten im zweiten Bauabschnitt sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Bis Ende April 2027 werden die Baugruben verschlossen und die Baustelleneinrichtung zurückgebaut. Das Gesamtprojekt wird bis 2030 realisiert.
Die Kosten für den ersten und zweiten Bauabschnitt liegen jeweils bei rund 4,5 Millionen Euro. Die Gesamtkosten der Baumaßnahme betragen rund 16 Millionen Euro.
Mit dem Transportkanal investiert Erfurt in eine zukunftssichere Abwasserinfrastruktur und leistet einen wichtigen Beitrag zum Gewässer- und Umweltschutz.
